Johanniskraut gehört zur Familie der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae).
Synonyme/einheimische Namen: Tüpfel-Hartheu, Tüpfel-Johanniskraut, Johanniskraut.
Quantifizierte Trockenextrakte aus Johanniskraut, die den vorgegebenen Spezifikationen der HMPC-Monographien entsprechen, werden zur Behandlung von leichten bis mittelgradigen depressiven Episoden bzw. kurzzeitig zur Behandlung der Symptome leichter depressiver Störungen eingesetzt. Diese Anwendungen werden vom HMPC als „Well-established use“ (allgemeine medizinische Verwendung) eingestuft.
Mehrere andere Zubereitungen aus Johanniskraut werden vom HMPC zur Anwendung als „Traditional use“ (traditionelles pflanzliches Arzneimittel) eingestuft. Sie haben jeweils eines oder mehrere der folgenden Anwendungsgebiete:
Der Unterschied zwischen „Well-established use“ (allgemeine medizinische Verwendung) und „Traditional use“ (traditionelles pflanzliches Arzneimittel) wird hier erklärt.
Die Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression aus dem Jahr 2015 nennt Johanniskraut als mögliche Behandlung von leichten oder mittelgradigen depressiven Episoden (nicht zur Behandlung von schweren oder chronisch verlaufenden Derpressionen): Wenn eine Arzneitherapie erwogen wird und der/die Patient/-in die Behandlung mit einem pflanzlichen Mittel bevorzugt, kann Johanniskraut als erster Behandlungsversuch eingesetzt werden. Entsprechend der Leitlinie sollten nur Präparate eingesetzt werden, für die eine klinische Wirksamkeit durch eigene Studien belegt ist. Dabei ist es notwendig, dass der/die Patient/-in ärztlich betreut wird, über mögliche schwere Wechselwirkungen von Johanniskraut mit anderen Medikamenten aufgeklärt ist, über die unterschiedlichen Wirkstärken verschiedener Produkte und die sich daraus ergebenden Unsicherheiten informiert ist.
Arzneimittel mit Johanniskraut zur Behandlung mittelschwerer Depressionen sind in Deutschland rezeptpflichtig (verschreibungspflichtig).
Johanniskraut-Präparate können viele verschiedene Formen haben.
Zum Einnehmen in flüssiger Form:
Zum Einnehmen in fester Form (z.B Tabletten oder Kapseln):
Zur Anwendung auf der Haut in flüssiger Form oder halbfester Form (z.B. als Creme):
Quantifizierte Johanniskraut-Trockenextrakte werden in fester Form (als Tablette oder Kapsel eingenommen.
Johanniskraut-Tee bei vorübergehender nervöser Erschöpfung:
1,5 bis 2 g Johanniskraut mit ca. 150 ml kochendem Wasser übergießen, nach 5 bis 15 Minuten abgießen. Diese Menge 2 bis 3 mal täglich trinken. Die tägliche Gesamtmenge beträgt Tee aus 2 bis 6 g Johanniskraut.
Johanniskraut-Tee bei leichten Magen-Darm-Beschwerden:
2 g Johanniskraut mit ca. 150 ml kochendem Wasser übergießen, nach 5 bis 15 Minuten abgießen. Diese Menge 2 mal täglich trinken.
Johanniskraut-Tee bei nervöser Unruhe verbunden mit Einschlafstörungen:
2 bis 3 g Johanniskraut mit ca. 150 ml kochendem Wasser übergießen, nach 5 bis 15 Minuten abgießen. Diese Menge 2 mal täglich trinken.
Hinweis: Depressive Episoden oder Symptome depressiver Störungen gehören NICHT zu den Anwendungsgebieten von Johanniskraut-Tee. Dafür gibt es Arzneimittel mit quantifizierten Johanniskraut-Extrakten.
Johanniskraut (Hyperici herba) nach der Monographie im Europäischen Arzneibuch sind die Triebspitzen von Hypericum perforatum*, in der Blütezeit geerntet, getrocknet, ganz oder zerkleinert, mit einem Gehalt von mindestens 0,08 % Gesamt-Hypericinen, berechnet als Hypericin.
Das Europäische Arzneibuch nennt außerdem Quantifizierten Johanniskrauttrockenextrakt (Hyperici herbae extractum siccum quantificatum). Er enthält 0,10 bis 0,30 Gesamt-Hypericine, berechnet als Hypericin, mindestens 6 % Flavonoide, berechnet als Rutosid, und höchstens 6 % Hyperforin.
Aussehen: Quantifizierter Johanniskrauttrockenextrakt ist ein bräunlich graues Pulver.
* botanische Schreibweise: Hypericum perforatum L.
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